Freitag, 20. Februar 2015

Verzeihen, um Auseinandersetzung zu vermeiden

Ich wage mich heute an ein komplexes Thema: Das stille Verzeihen, um Auseinandersetzung zu vermeiden.

Die Gestalttherapie und der Buddhismus haben viele Anknüpfungspunkte. Auch in der Gestalt geht es um den achtsamen Blick und um das Sein im Hier und Jetzt. Darüber hinaus sind Güte, Würdigung und Großzügigkeit elementare Werte.

In meiner Arbeit fällt mir allerdings auf, dass gerade konfliktscheue Menschen sehr schnell sagen: Ich kann eben gut verzeihen! Ich habe meditiert und die Wut losgelassen, die ich auf mein Gegenüber hatte.

Nun ist Verzeihen wirklich eine edle Eigenschaft und Meditieren eine hervorragende Möglichkeit sich zu zentrieren und zur inneren Mitte, Ruhe und Stärke zu finden. Aber zuweilen verdeckt das schnelle Verzeihen, nur im Austausch mit sich selbst, die Möglichkeit der anderen Person mitzuteilen, womit man überhaupt nicht einverstanden ist und was einem nun absolut nicht passt.

Ich kann dann für mich entscheiden, der Person, die mich ärgerte zu verzeihen. Das ist sehr ritterlich. Aber leider weiß dann die andere Person weder, dass ich ihr verzeihe. Und was mir noch viel wichtiger scheint, auch nicht, dass ich sauer auf sie war/bin. Der Prozess der Klärung passiert in nur einem der Köpfe. Und genau hier wären beide Köpfe und am besten auch Herzen gefragt, sich auseinander zu setzten. Sich zu fragen:


Was war da los?

Wie hast du das gemeint?
Hey, du hast mich verletzt.
Nun, das wollte ich nicht. Verzeih!
Aber du hast mich auch ganz schön verletzt! Puh!
Etwa so... 

Manchmal verzeihen Menschen dem Gegenüber etwas still, obwohl es für beide wertvoll wäre noch einmal die Begegnung zu wagen. Ich verzeihe, obgleich ich vielleicht sogar vom anderen wünsche, dass er mich um Verzeihung bittet. Das absurde dabei ist oftmals, dass der Andere nichts von diesem Kopfkino erfährt oder weiß.


Es ist nach meinem Dafürhalten also nicht unbedingt ein Gebot des Friedens, die Aggression oder Enttäuschung bei sich zu behalten, herunterzuschlucken, über den Kiefer zu zermalmen und starr da zu sitzen. Sondern sie vielmehr in die Energie zu sublimieren, den anderen noch einmal friedlich auf das Vorgefallene anzusprechen. Dem anderen die Chance geben, noch einmal zu den Geschehnissen etwas zu sagen, etwas zu klären: 

Das ist Begegnung. 
Und das ist meiner Meinung nach Frieden.

Die Aggression hat ein Ziel mit den meisten Emotionen gemeinsam: Nicht sinnlose Entladung, sondern sinnvoller Einsatz ist ihr Ziel. [Fritz Perls, Mitbegründer der Gestalttherapie]


Ziel eines Konfliktes oder einer Auseinandersetzung soll nicht Sieg, sondern Frieden sein. Etwa so bei [Joseph Joubert, französischer Moralist und Essayist]

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